Psychosoziale Begleitung zur Ergänzung medizinischer Substitution

Qualifizierte Substitutionsbehandlung

Substitution bedeutet, dass ein verschreibungsfähiges Ersatzmittel (Substitut) das illegale Heroin ersetzt. Die Sucht wird nicht im eigentlichen Sinn geheilt, sondern der illegale Suchtstoff durch einen legalen ersetzt. Die Vorteile für die Abhängigen sind :

  1. Sie sindmedizinisch erreichbar. Daraus folgt eine verbesserte Gesundheitszustand.
  2. der Beschaffungsdruck und damit der kriminelle Kreislauf entfallen.
  3. Eine vollständigen Integration ins Erwerbslebenwird ermöglicht.

Die psychosoziale Substitutionsbegleitung ergänzt die medizinische Behandlung. Die Ziele einer qualifizierten Beratung sind :

Die Substitutionsbegleitung soll deshalb Hilfestellung bieten bei der Versorgung in den Bereichen Selbstversorgung, Finanzen, Wohnen, Beschäftigung, der sozialen Stabilisierung und Integration und der Entwicklung einer neuen Lebensperspektive.

Zielgruppe

Klienten die sich in medizinischer Substitutionsbehandlung befinden.

Angebote der Substitutionsbegleitung

Substitute

In der Zwischenzeit gibt es mehrere zugelassene Medikamente für die Substitutionsbehandlung:

Methadon

Ist immer noch das Substitutionsmedikament das in Deutschland am meisten verwandt wird. Es ist gut geeignet, den Entzug zu verhindern. Dabei dämpft es aber auch den Allgemeinzustand.

Andere Nebenwirkungen wie z.B. starkes Schwitzen und Depressionen sind ebenfalls zu beobachten.

Subutex, Subuxone

Ist eine andere Substanzgruppe (Buprenophin) mit hoher Wirksamkeit zur Beseitigung des Suchtdrucks und Entzugsymptomen. Die Beeinträchtigung der Sinne ist reduziert, so dass der Patient sich relativ nüchtern fühlt. Zudem treten bei der Einnahme  weniger Nebenwirkungen auf.

Durchführung der Behandlung

Die medizinische Behandlung wird von Ärzten durchgeführt, die für die Substitution eine spezielle Zulassung haben. Diese substituierenden Ärzte haben sich in einem Arbeitskreis mit den beteiligten Apothekern und Drogenberatern organisiert. Der Arbeitskreis Substitution Ulm  ist ein Zusammenschluss, der sich zur Aufgabe gemacht hat, die in Ulm, Neu Ulm und der Alb-Donau-Region stattfindende Substitutionsbehandlung zu qualifizieren und weiterzuentwickeln. Hierzu zählt die interdisziplinäre Zusammenarbeit mit allen an der Behandlung beteiligten Professionen.

Rechtliche Grundlagen der Behandlung

BtmG und BtmVV

Die rechtlichen Grundlagen und gesetzlichen Vorgaben für die Vergabe von Substitutionsmitteln findet man im Betäubungsmittelgesetz BtmG und in der Betäubungsmittelverschreibungsverordnung BtmVV. In §1 BtmG ist festgelegt, welche Substanzen unter das Gesetz fallen, welche Betäubungsmittel verkehrsfähig und verschreibungspflichtig sind. Die BtmVV– „Verordnung über das Verschreiben, die Abgabe und den Nachweis des Verbleibs von Betäubungsmitteln“ enthält Vorschriften und Aussagen über die Indikation und Voraussetzung für eine Substitution, über die Substitutionsmittel, über die Regeln der Verschreibung und Abgabe von Substituten, über das Ausstellen von Rezepten und über die Dokumentation der Behandlung.

AUB-Richtlinien (früher NUB-Richtlinien)

Eine weitere wichtige Rahmenbedingung für substituierende Ärzte sind die AUB-Richtlinien zur Substitutionsbehandlung. Die Bestimmungen regeln die Voraussetzungen zur Durchführung einer Substitutionsbehandlung mit zugelassenen Substitutionsmitteln bei festgestellter Opiatabhängigkeit, in der vertragsärztlichen Versorgung bei niedergelassenen Ärzten. Also die Voraussetzungen, die der substituierende Arzt und der Opiatabhängige erfüllen müssen, dass die Kosten der medizinischen Behandlung von der zuständigen Krankenkasse übernommen werden.

Daily (tägliche Vergabe)

Dies bedeutet dass der Patient sein Substitut täglich unter Beaufsichtigung des medizinischen Personals in der Praxis einnehmen muss. Der Gesetzgeber schreibt dies für die ersten sechs Monate der Substitution vor.

Take home

Nach diesen sechs Monaten kann der Patient mit einem Wochenrezept bis zu 7 Tage mit dem Substitut versorgt werden und muss damit nur einmal pro Woche zum Arzt kommen. Voraussetzung dafür ist die Freiheit von Beigebrauch und dass der Patient eigenverantwortlich und bestimmungsgemäß mit dem Substitut umgehen kann.

Beigebrauch

Das bedeutet, dass neben der Einnahme des Substitutes weiterhin illegale Drogen oder missbräuchlich verwandte Medikamente konsumiert werden.

Beigebrauchsentzug

Beim Beigebrauchsentzug werden nur die Substanzen körperlich entzogen, die illegal nebenher konsumiert wurden, das Substitut - z.B. Methadon - wird in der konstanten Dosis während des Entzugs weiter verabreicht.